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Zehn Jahre Schulpartnerschaft

Zehn Jahre starke Schulpartnerschaft Koblenz-Bukarest

„Du kannst mehr als Du denkst“, stand als Motto der rumänischen Gastgeber über der Jubiläumsfahrt von Schülern und Lehrern des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums Koblenz zum katholischen St. Josef-Kolleg in Bukarest. Sie erwartete ein intensives einwöchiges Programm mit eindrucksvollen Höhepunkten, geprägt von einer sehr herzlichen rumänischen Gastfreundschaft. Der Schulleiter des „Bischöflichen“, Carl Josef Reitz, wünschte bei den Dankesworten an seine „Kollegin“ Schwester Dr. Rodica Miron und Dr. Ion Riba in Bukarest, dass die bewährte Partnerschaft weiter „wachse und blühe“.
Die 20 Schüler aus Koblenz und ihre Begleiter Martina, Meyer, Ursula Rupprecht und Harald Orth sowie Werner Westinger, Beauftragter des Dekanates Andernach für Kontakte und Hilfsaktionen nach Osteuropa, gewannen einen ersten Eindruck dieser Freundschaft beim Empfang in dem einzigen katholischen Gymnasium in Bukarest. Die Koblenzer Schüler und ihre rumänischen Partner erlebten nach Erkundungen in der Hauptstadt einen ersten Programm-Höhepunkt beim Besuch des ehemaligen „Volkshauses“, erbaut unter Diktator Ceaucescu, heute Sitz verschiedener Institutionen, vor allem aber des rumänischen Parlamentes. Sie konnten unter der Europa-Flagge zwei selbst begründete „Gesetze“ verabschieden, darunter eines für ein – dringend benötigtes- Radwegenetzes in der Hauptstadt.

Kontrastierende, tiefe Eindrücke hinterließ ein Besuch bei den Armen vom Bukarester Nordbahnhof und einer Familie, die von Schwester Alfonsa, gleichzeitig auch Lehrerin in St. Josif, betreut werden. Seit Jahren unterstützen die Koblenzer ihre Arbeit durch Erlöse beim Adventsbasar und beim Solidaritätsweg des BCGK. Einblicke in die Arbeitswelt, auch die Arbeit der Zukunft, boten an den nachfolgenden Tagen Begegnungen vor Ort bei Cethal, einem Laserforschungsinstitut in der Nähe von Bukarest und eine zweitägige Exkursion in die Karpaten. Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter gaben zunächst im Institut an die rumänischen und deutschen Schüler Informationen darüber, wie Lasertechnologie in verschiedenen Anwendungsbereichen, beispielsweise in der Medizin, eingesetzt werden kann.
Ziel der gemeinsamen Fahrt in die Karpaten war zuerst das Königsschloss Peles in der Nähe von Sinaia. Es wirkte mit seinem komplett erhaltenen Interieur so als habe die ehemalige rumänische Königsfamilie ihre Sommerresidenz in den Bergen gerade erst verlassen. Ganz anders Schloss Bran, noch höher gelegen und dank „Dracul“ zu einiger Berühmtheit gelangt. Nach einer Übernachtung in der Nähe ging es am folgenden Tag weiter nach Brasov, dem traditionsreichen ehemaligen Kronstadt. Hier steuerten die deutsch-rumänischen Partner die beiden Werke von „Stabilus“ an. Zufällig sind sie genauso jung, wie die ersten Kontakte der Koblenz-Bukarester Schulpartnerschaft beim Weltjugendtag 2005 in Köln. Mitarbeiter von „Stabilus“ stellten die beeindruckende Entwicklung während der vergangenen Jahre dar. Mittlerweile sind mehr als 1.300 Menschen in Brasov beschäftigt. Der Kontakt zum Hauptwerk in Koblenz ist eng. Gefertigt werden in Siebenbürgen vor allem Gasfedern („Power-rise“-System) für die Automobilindustrie und Drehstühle. Gemeinsam haben mehrere Firmen in Brasov eine Schule begründet, die erfolgreich nach dem deutschen dualen Ausbildungsprinzip arbeitet.

Eindrucksvoll war der anschließende Besuch in der Altstadt von Brasov. Viele Häuser um den großen Marktplatz mit der „Schwarzen Kirche“ sind schon renoviert, andere werden sicher bald folgen. Zurück in Bukarest nach einer langen Busfahrt, ging es am folgenden Tag für die Schüler, wie immer während der zehnjährigen Partnerschaft, um Information und Reflexion in konkreten Projekten. Mit dem Schwerpunkt „Arbeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ beschäftigten sie sich in gemischten Gruppen u.a. mit der Frage, wie Menschenwürde und Arbeit zusammenhängen, Formen der Zusammenarbeit in Europa, Berufen der Großeltern und Eltern in Deutschland und Rumänien sowie nachhaltigen Wirkungen menschlicher Arbeit: „Was bleibt?“ Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden den Eltern beim gemeinsamen Abschlussabend präsentiert. Er war zugleich der Höhepunkt der Jubiläumsfahrt, eingeleitet mit einem Gottesdienst und Dankesworten an die Initiatoren der Partnerschaft, die Menschen in Koblenz und Bukarest, so die begründete Hoffnung, auch in den kommenden Jahren verbindet.

Harald Orth

Bilder: Ursula Rupprecht